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„Ohne den Sport wäre ich nicht DER MENSCH, DER ICH HEUTE BIN.“

Rennrodlerin Dajana Eitberger, Silbermedaillengewinnerin bei Olympia 2018 

Die Weltcupsaison im Rennrodeln läuft bis zum 24. Februar, wenn im russischen Sotschi die Besten im Sprint ermittelt werden. Schnelligkeit ist in diesem Sport immer das wichtigste Ziel. Und wenn ein Rennrodler mit einer Geschwindigkeit von rund 140 Kilometern pro Stunde auf seinem Schlitten durch den Eiskanal rast, dann entscheiden jeder Millimeter, jede noch so kleine Bewegung, jeder Wimpernschlag über Sieg oder Niederlage. Fliehkräfte mit einer Erdschwerebeschleunigung von circa 5 g wirken auf die Athleten – beim Anfahren in einem Pkw sind wir nur rund 0,3 g ausgesetzt. Dieser Sport ist ein Wahnsinn auf Kufen.

Für die thüringische Rennrodlerin Dajana Eitberger sind der Kampf und auch das Spiel mit den Kräften von Geschwindigkeit, Material und Eis seit vielen Jahren Alltag. Die 28-Jährige, 1991 in Ilmenau geboren, gehört zu den international stärksten Sportlerinnen der Disziplin. Von den Olympischen Spielen 2018 in Pyeongchang nahm sie eine Silbermedaille mit nach Hause, 2015 wurde sie Europameisterin sowohl im Einsitzer als auch mit der Staffel und Zweite im Gesamtweltcup. Im Weltcup-Team der Deutschen Nationalmannschaft startet sie seit 2013, in der aktuellen Saison 2018/2019 steht sie derzeit mit 390 Punkten auf Platz 5. 2011 war sie als „Thüringer Juniorensportlerin des Jahres“ ausgezeichnet worden.

„Unter 100 Prozent fange ich kein Training an“

„Für mich ist klar: Unter 100 Prozent fange ich kein Training an. Ich will jeden Tag immer ein Stück besser sein“, sagt Dajana Eitberger. Sie hat sich aus vollem Herzen dem Sport verschrieben, der ein 24-Stunden-Job ist – gefüllt mit intensivem Training, Wettkampfvorbereitung und Sponsorentätigkeiten. Daneben bleibt nicht viel Zeit – und auch die ist geprägt von hoher Disziplin: „Für meinen Erfolg zählt ganz genauso, was ich neben dem reinen Sport mache, also was ich esse oder ob ich rechtzeitig ins Bett gehe, damit ich ausreichend Schlaf bekomme. Erst die Summe aus all diesen Faktoren ergibt dann Schwarz auf Weiß das Ergebnis beim Wettkampf.“ Die perfekte Fahrt durch den Eiskanal gibt es nicht. Gleichwohl ist sie das Ziel aller Rennrodelsportler. „Man kann sich immer noch weiter verbessern, auch wenn es nahezu perfekt gelaufen ist. Man ist nie austrainiert, sondern es gibt immer neue kleine Hürden, die wir nehmen müssen“, so Eitberger.

In ihrer Armbeuge hat sie die olympischen Ringe verewigt. Foto: Gräfliche Kliniken Jena

Den Alltag von Dajana Eitberger zwischen Training, Wettkämpfen und dem Leben jenseits des Sports kann man auf ihrem Instagram-Account verfolgen. Auf @dajanaeitberger zeigt sie Schnappschüsse vom Siegerpodest, von Treffen mit Kolleginnen und Kollegen und Verabredungen mit Freunden, von ihren Sporteinheiten, aber auch von Reisen, kleinen Wellness-Auszeiten oder Besuchen bei Events. Sie zeigt ihre Tattoos – in der linken Armbeuge hat sie beispielsweise die olympischen Ringe verewigt. Man sieht eine Frau, die viel vom Leben will. Die auf der Suche ist nach ihrem Platz in der Welt und das Schöne bewusst genießt. 

Jeder Wettkampf schlägt ein neues Kapitel auf

Dabei ist ihr Leben extrem durchgetaktet und fremdbestimmt – von Trainingszeiten, den Wettkämpfen und den Reisen dorthin. Wenn sie erfolgreich ist und Medaillen holt, dann sieht man ihr die Freude darüber natürlich am Jubeln und dem breiten Lachen auf dem Podest an. Aber sind die wenigen Minuten auf dem Siegertreppchen nicht verschwindend kurz gegen die vielen Stunden Vorbereitung? „Natürlich freue ich mich über solche Erfolge sehr, aber das Gefühl setzt sich überraschend schnell wieder“, sagt Dajana Eitberger. „Ich habe auch von klein auf mitbekommen, dass man sich mit solchen Ereignissen gar nicht lange aufhalten kann. Wenn ich wie jetzt beim Weltcup jede Woche an einer neuen Bahn stehe, darf nicht wichtig sein, was vergangene Woche passiert ist.“ 

„Ohne den Sport wäre ich nicht der Mensch, der ich heute bin.“

Was sie antreibt, ihr Leben dem Sport zu widmen, könne sie nur mit Emotionen beschreiben, erklärt sie: „Es ist weder das Geld, das ich damit verdienen könnte, noch die Medaillen“, so Eitberger. „Für mich ist es der Moment, wenn ich abends zufrieden auf den Tag zurückschauen und sagen kann, dass ich alles gegeben habe. Dass ich alles rausgeholt habe, was an diesem bestimmten Tag möglich war.“ 2019 wird sie als Rodel-Sportlerin „volljährig“ – dann trainiert sie seit genau 18 Jahren mit dem Schlitten. „Wenn ich zurückschaue, dann weiß ich, dass der Sport für mich viele Entbehrungen bedeutet, viele Tränen und viel Schweiß. Er bringt mir sehr viel Freude, viele Höhen und auch Tiefen. Vor allem aber macht er mich als Person aus. Ohne den Sport wäre ich nicht der Mensch, der ich heute bin.“ Diesen Menschen beschreibt sie als bodenständig, ehrgeizig, diszipliniert und zielstrebig: „Was man im Sport lernt, ist im Leben sehr förderlich und bringt mich auch jenseits des Eiskanals weiter.“

Thüringen bietet ideale Bedingungen für Wintersport

Sie hat mit zehn Jahren mit dem Rodeln angefangen. Wenn man in den Höhenlagen Thüringens aufwächst, ist Wintersport ganz selbstverständlich Teil des Schulsports. So fand auch in Eitbergers Grundschule alle zwei Jahre ein Schulwettkampf statt, bei dem Rodeln mit auf dem Programm stand. In der ersten Klasse schaute sie noch fasziniert zu, in der dritten traute sie sich selbst teilzunehmen – und fiel sofort als Talent auf. Die Lehrer sagten: „Mensch, du bist so schön groß, aus dir könnte was werden...“ Doch als das junge Mädchen in einer Rodel-Gruppe anfängt zu trainieren, lassen sie die Trainer dort erst mal alles machen außer Rodeln. „Wir sind durch die Sporthalle gesprungen und haben Spiele gespielt. Es war ein reines Bewegungstraining und sicher sinnvoll, aber ich war eigentlich eher ein Sportmuffel und ich wollte natürlich Schlitten fahren“, erinnert sie sich. Als sie sich deshalb wieder abmeldet, ruft die Trainerin ihre Eltern an und bittet sie inständig, dass Dajana wiederkommen möge: „Wir müssen sie dabeihaben!“. Die Schülerin lässt sich zur Teilnahme an einem Trainingscamp überreden – dort gibt es Schlitten und ihre Leidenschaft fängt Feuer. 

Dajana Eitberger beim Traning in Jena. Foto: Gräfliche Kliniken Jena

Es folgte ein klassischer Werdegang eines Leistungssportlers: Verein, Sportgymnasium in Oberhof, wo sie ins Internat geht und damit die ganze Woche über intensiv trainieren kann. Nach dem Abitur wird Dajana Eitberger in eine Sportfördergruppe der Bundeswehr aufgenommen. Für sie ist dabei immer klar, dass sie in Thüringen bleiben will: „Thüringen ist meine Heimat“, sagt sie. „Ich bin so viel auf Reisen und fahre für Wettkämpfe in die ganze Welt, aber wenn ein Wettkampf hier stattfindet, ist das immer noch am schönsten – es ist Familie. Zuhause hast du einfach das beste Publikum, das erlebe ich immer wieder. Hier herrscht immer eine sensationelle Stimmung. Jeder einzelne, der an der Bahn steht, fiebert mit.“ Auch die Förderung von Sportlern sei herausragend, berichtet sie: „Wir haben hier so viele Vereine, die eine sensationelle Nachwuchsarbeit machen – das ist außergewöhnlich. Es ist auch einfach eine schöne Region, die sich über den Sport gut präsentieren kann.“ Sie sei stolz, dass sie für ihre Heimat international startet.

„Von unseren Erfolgen profitieren ja nicht nur wir Sportler, sondern auch ganz Thüringen und Deutschland.“

Zwei Welten miteinandeR Verbinden

Eitberger lebt in Erfurt und pendelt jeden Tag nach Oberhof. Für den Wintersport findet sie dort ideale Bedingungen. Mit der Wohnung in Erfurt könne sie beide Welten miteinander verbinden und bekomme auch gedanklich Abstand zum Sport: „Ich fahre eine Stunde im Auto nach Hause, da kann ich gut runterkommen. Dann schließe ich die Wohnungstür auf, mache sie hinter mir wieder zu und bin in meiner eigenen Welt.“

 

Ein typischer Trainingstag sieht im Sommer, wo athletisches Training im Vordergrund steht, so aus: Sie steht 6.30 Uhr auf und fährt nach Oberhof, wo sie ab etwa 8.30 Uhr für ungefähr zwei Stunden trainiert. Dann hat sie Zeit für einen kurzen Mittagsschlaf. Es folgt eine zweite Trainingseinheit von etwa 14 bis 16 Uhr, in der Nachbereitung spricht sie mit ihrem Trainer und sie bereiten beispielsweise das Material für den Winter vor. Dann fährt sie nach Hause, isst zu Abend und geht ins Bett. Etwa 30 Stunden Training kommen pro Woche zusammen. Ab Oktober startet das Wettkampftraining. Wirklich auf dem Schlitten sitzt sie auch dann nur sehr kurz: gerade mal zwei Minuten pro Tag. „Ich mache dann immer zwei Trainingsläufe täglich und diese dauern jeweils nur eine Minute“, erklärt sie. Im Trainingslager kommt sie mit mehr Durchgängen auf insgesamt rund acht Minuten. 

Vielfältiges Training neben dem Rodeln

Doch was passiert jenseits des Schlittens? Das Training ist sehr vielfältig: „Rodler sind Allrounder“, so die Leistungssportlerin. „Sie können vieles richtig gut, aber nichts in Perfektion. Um koordinative Fähigkeiten zu stärken und damit wir uns auf hohem Geschwindigkeitsniveau sicher im Raum bewegen können, spielen wir beispielsweise viel Fußball, Tischtennis oder springen auf dem Trampolin.“ Sie stellt sich auch da bewusst immer wieder Herausforderungen, um ihre mentale Stärke weiter zu erhöhen. „Ich habe drei Jahre damit gekämpft einen Rückwärtssalto auf dem Trampolin zu machen und bin trotz Höhenangst im Schwimmbad vom 5-Meter-Turm gesprungen“, erinnert sie sich. „Alles, was mich selbst größer macht, fasziniert mich. Und es hilft mir in Wettkämpfen, wo man immer wieder vor unvorhersehbare Situationen gestellt wird.“ Wenn in der Vorbereitung alles gut gelaufen ist, dann sei ein Wettkampf für sie aber letztlich entspannt: „Da zählen dann nur die Automatismen, die ich im Training immer wieder eingeübt habe. Und das ist dann ein sehr tolles Gefühl, wenn man eigentlich nichts anderes machen muss als den Kopf auszuschalten und das Programm ablaufen zu lassen, dass du dir erarbeitet hast. Deine mentale Stärke ist das, was dich zum Sieger macht: Die kann dir kein Konkurrent abschauen oder wegnehmen.“

„Deine mentale Stärke ist das, was dich zum Sieger macht: Die kann dir kein Konkurrent abschauen oder wegnehmen.“

Wenn sie frei hat, probiert Eitberger auch gern noch weitere Disziplinen aus. „Ich bin schnell für neue Dinge zu begeistern und es fällt mir unglaublich schwer, die Füße still zu halten“, sagt sie. „Rennrad fahren, Skitouring, Poledance oder Motorsport – ich will über den Tellerrand hinausblicken.“ Sie hat genauso schon getöpfert und gestrickt: „Ich versuche immer auch Platz zu schaffen für die Dinge, die mir einfach Spaß machen und lasse mich in keine Schablone pressen. Als Einzelkämpferin ist das für mich aber auch ein Luxus, den ich mir leisten kann. Ich weiß, was mir gut tut und habe mir wo immer möglich in den vergangenen Jahren einen gewissen Freiraum geschaffen.“ Das mag einen Teil ihres Erfolgs ausmachen: „Der Beruf ist so intensiv, da lebt man schnell in einer Bubble, aus der man kaum rauskommt“, sagt sie. „Das möchte ich nicht.“ 

Dajana Eitberger mit DTM-Champion Bruno Spengler in Zandvoort. Foto: JR Sport

Ein Leben, das nicht nur aus Sport besteht

Sie agiert immer in dem Bewusstsein, dass ihre Karriere als Sportlerin auch plötzlich enden könnte, beispielsweise durch eine Verletzung. Darauf wäre sie gefasst: „Wenn ich von heute auf morgen aufhören würde, würde ich in kein Loch fallen. Ich wäre nicht verloren oder würde daran zerbrechen“, ist sie überzeugt. „Ich habe genug Leute um mich, die für mich da wären und die mich auch jetzt schon immer auf den Boden der Tatsachen herunterholen würden, wenn es nötig wäre. Das ist mir unglaublich wichtig.“ Sie denkt dabei an ihre Familie und Freunde – mit denen sie nicht immer über Sport reden muss und bei denen keine Höchstleistungen gefragt sind.

 

Auf ihrem Instagram-Account sieht man sie auch immer wieder mit Natalie Geisenberger – ihrer stärksten Konkurrentin. Die beiden sind befreundet, auch wenn sie sich immer wieder bei Wettkämpfen begegnen und gegeneinander antreten: „Das können wir abseits der Bahn ausschalten“, so Eitberger. „Wenn der Schlitten eingepackt ist, sind wir wieder normale Menschen. Und das ist sehr wertvoll, wenn man jemanden an seiner Seite hat, der das alles versteht und mit dem man sich austauschen kann. Wir freuen uns ehrlich mit der jeweils anderen über Erfolge und wir arbeiten miteinander – das ist wie Familie.“ 

„Ich habe genug Leute um mich, die für mich da wären und die mich auch jetzt schon immer auf den Boden der Tatsachen herunterholen würden, wenn es nötig wäre. Das ist mir unglaublich wichtig.“

Für die nächsten vier Jahre plant Dajana Eitberger mindestens noch mit dem Sport: „Bis 2023 will ich ganz sicher bei dem ganzen Zirkus dabei bleiben“, erzählt sie lachend. „Dann freue ich mich auf das, was danach irgendwann alles auf mich zukommt.“ Für eine berufliche Perspektive nach dem Sport hat sie gesorgt: Sie studiert BWL mit Schwerpunkt auf Hotel- und Tourismusmanagement. „Da konnte ich mir gerade im vergangenen Jahr auch ein großes Netzwerk an Kontakten aufbauen – auch das ermöglicht der Sport mir. Und Reisen ist einfach eine große Leidenschaft von mir. Ich würde mich sehr freuen, wenn ich das zu meinem zweiten Beruf machen könnte.“

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