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IN THÜRINGEN

GEHEN DIE UHREN

GERADE RICHTIG.

Im Gespräch mit Professor Hartmut Rosa

IN THÜRINGEN

GEHEN DIE UHREN

GERADE RICHTIG.

Im Gespräch mit Hartmut Rosa

Hartmut Rosa, Professor für Soziologie an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena, ist Experte für das Thema Zeit. Er lehrt Zeitdiagnose und Moderne Analyse sowie Zeitsoziologie und Beschleunigungstheorie, und ist Mitherausgeber der Fachzeitschrift „Time & Society“. Im Interview erklärt er, woher der gefühlt immer stärker werdende Zeitdruck in der Gesellschaft kommt, was dagegen helfen kann und warum er mit seinen Studenten zum Lernen am liebsten in den Thüringer Wald fährt.

Prof. Dr. Hartmut Rosa unterrichtet seit einigen Jahren an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena. Foto: Friedrich-Schiller-Universität/Günther

Herr Professor Rosa, Sie fahren regelmäßig mit Studenten zu Blockseminaren in den Thüringer Wald. Warum?

Das sind meine intensivsten Lehrveranstaltungen, denn dort entsteht eine ganz besondere Atmosphäre: Man kann gemeinsam denken und arbeiten, dann auch mal wieder rausgehen, zum Beispiel im Sommer wandern auf dem Rennsteig oder im Winter Ski fahren und Rodeln gehen. Wir nutzen eine Herberge, die das Studierendenwerk Thüringen in Siegmundsburg am Rennsteig betreibt. Die Umgebung dort fördert die Konzentration und auch die Diskussion, den Austausch und die Begegnung – die Begegnung nicht nur mit anderen Menschen, sondern auch mit der Natur. Dort erlebt man eine andere Art des In-der-Welt-Seins. 

Mittelgroße Städte eignen sich am besten zum Forschen und Lehren

Wo kann man besonders gut studieren?

Für Lehr- und Lernkontexte, für gemeinsames Forschen und Lehren sind meiner Ansicht nach mittelgroße Städte wie Jena, Erfurt oder Weimar besser geeignet als diese extremen Großstädte. Ich glaube, es ist kein Zufall, dass die großen Uni-Standorte weltweit in eher kleinen Städten angesiedelt sind: Cambridge, Oxford, Princeton. In den USA sind die meisten Uni-Städte auch relativ klein. Natürlich haben auch Paris oder London große Unis, aber eigentlich sind die mittleren Städte wie Tübingen, Freiburg, Heidelberg oder eben Jena gut geeignet.

Unter den 18.000 Studierenden befinden sich auch 2.400 internationale Studenten an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Der Campus, gemessen an der Reputation und den Studenten, braucht sich daher keineswegs hinter Universitäten wie Oxford oder Cambridge verstecken. Fotos: Adobe Stock

Sie unterrichten seit einigen Jahren in Jena. Wie erleben sie es: Wie schnell laufen die Uhren in der Stadt?

Jena ist eine junge Stadt – eine Universitätsstadt, eine Boom-Stadt. Man kann sagen, in vielerlei Hinsicht laufen da die Uhren sehr schnell. Doch Jena ist urban, aber eher klein. Es hat ein verdichtetes Zentrum, sodass meine eigene Wahrnehmung ist: In Thüringen gehen die Uhren gerade richtig. Weil man einerseits ein relativ hohes Tempo hat, was Entwicklung angeht, auch was Modernität und Urbanität angeht, aber andererseits hat man eben noch eine Art von überschaubarer Reichweite, die einem nicht dieses Gefühl der ständigen Überforderung verschafft. Das gilt ähnlich auch für Erfurt, weil es als Landeshauptstadt und auch als touristischer Magnet einerseits sehr pulsierend ist, aber eben auch noch eine überschaubare Größe hat.

Studenten stehen heute unter großem Zeitdruck, gerade durch die verkürzten Studiengänge. Kann man da noch gut lernen?

Vermutlich waren die Bedingungen für Lehre und Lernen nie optimal. Aber natürlich gibt es das, was man heute mit Bulimie-Lernen beschreibt: Die Tendenz, dass Studierende in ganz bestimmten Zeiträumen eine ziemlich hohe Zahl an Creditpoints erwerben müssen. Das fördert natürlich, dass man sich nur an diesen Anforderungen orientiert: Wie kriege ich denn jetzt die Creditpoints? In der Terminologie meiner eigenen Forschung würde ich es so beschreiben, dass sie sich den Stoff dann nur aneignen, aber nicht anverwandeln. Sie lernen etwas, damit sie dann in der Klausur die nötigen Creditpoints und gute Noten bekommen. Was verständlich ist, denn es ist ja auch schon alles für die Abschlussnote relevant. Aber sie eignen sich den Stoff nur an, sie machen sich ihn nicht zu eigen, sodass sie die Welt dann wirklich durch die Augen von, wenn wir jetzt in der Soziologie sind sagen wir mal Max Weber, Karl Marx oder Émile Durkheim sehen. Meine These lautet aber: Soziologe oder Philosophin sein, das ist eine Art von Denkweise und nicht eine bestimmte Stoffmenge, die man sich aneignen muss – nämlich eine Art und Weise, sich mit Welt auseinanderzusetzen. Und diese Anverwandlung ist heute nicht ganz leicht zu realisieren. Natürlich haben wir zum Teil Studienbedingungen erzeugt, die diese Entfremdung zwischen Studierenden und Stoff und auch zwischen Studierenden und Lehrenden begünstigen, aber es gibt durchaus noch Möglichkeiten. Zum Beispiel durch Sommerakademien und Sommerschulen, oder eben durch Blockseminare, aber auch durch Lehrforschungsprojekte. Es gibt immer die Möglichkeit, dann doch in Ruhe zu studieren und sich in einem Fach heimisch zu werden.

  • Jena lockt jedes Jahr tausende Studenten in die Universitätsstadt. Foto: Adobe Stock

    Die Eingangshalle der Friedrich-List-Universität. Foto: Friedrich-Schiller-Universität/Cott

  • Eine beliebte Straße Jenas – die Wagnergasse. Viele Besucher bahnen sich hier ihren Weg vom Johannesplatz bis hin zur August-Bebel-Straße. Foto: Adobe Stock

    Ansicht des Hauptgebäudes der FSU vom Löbdergraben. Foto: Friedrich-Schiller-Universität/Günther

Ein Prozess, der einen selbst verändert.

Anverwandeln – das klingt nach einem sehr nachhaltigen Lernen. Das dürfte sich auch positiv auf das Gefühl von Entschleunigung auswirken?

Es ist ein Prozess, der tatsächlich nachhaltig ist, weil er dann bleibt. Also es ist etwas, das ich mir nicht einfach aneigne als Kompetenz, sondern etwas, was mich selbst verändert. Das denke ich wirklich. Ich glaube, es ist ein Kernelement aller Bildungsprozesse – dass ich auf eine Art und Weise mit mir und der Welt umgehe, die mich verwandelt. Und das ist natürlich ein nachhaltiger, ein langfristiger Prozess und nicht nur so eine kurze Aneignung eines Wissens, das ich erstens morgen wieder vergessen habe und zweitens nur instrumentell einsetze. 

Je effizienter wir Zeit sparen, umso knapper wird uns die Zeit.

Viele haben das Gefühl, dass sie immer gehetzter durchs Leben rennen. Sollten uns moderne Technologien nicht eigentlich Zeit sparen – also schenken?

Tatsächlich tun sie das: Technische Errungenschaften haben fast immer den Zweck, Zeit zu sparen und mit ihrer Hilfe passiert das auch bei fast allen Tätigkeiten, die wir ausüben – sowohl in der Konstruktion als auch in der Produktion und der Distribution von Gütern. Natürlich geht es schneller, wenn ich das Auto nehme anstatt zu Fuß zu gehen oder wenn ich mit dem Flugzeug an ein weit entferntes Ziel reise. Die Transporttechnologien sind alle Beschleunigungstechnologien. Und mit der Schreibmaschine schreibe ich schneller als mit der Hand, ein PC spart erst Recht Zeit. Die Haare werden mit dem Föhn schneller trocken als an der Luft, die Mikrowelle hilft beim Kochen. De facto sparen wir also Zeit, es kommt uns nur nicht so vor, weil gleichzeitig mit all diesen gewaltigen Zeitersparnissen das Gefühl gestiegen ist, dass Zeit knapp ist – das Gefühl von ‚Ich habe aber trotzdem nie genug Zeit.’. Das lässt sich offensichtlich nicht durch schnellere Technologien beseitigen. Weil das wirklich parallel verläuft: Je effizienter wir Zeit sparen, umso knapper wird uns die Zeit. 

Die Technologien sind also eine Antwort auf ein Problem, das sich damit aber nicht lösen lässt – liegt das vielleicht daran, dass die Anforderungen an uns so stark gestiegen sind?

Tatsächlich explodieren unsere To-Do-Listen. Jeder hat auf seinem Arbeitsplan jeden Tag, jede Woche, jedes Jahr mehr stehen. Das Wachstum der To-Do-Liste ist größer als die Beschleunigung – die Wachstumsrate liegt über der Beschleunigungsrate. Und wenn man sich fragt, woher das kommt, dann stößt man auf ein Problem, das man nicht individuell lösen kann. Denn die Ursache liegt in dem, was ich dynamische Stabilisierung nenne: Eine moderne Gesellschaft kann sich nur durch Steigerung erhalten. Wir müssen als Land, als Volkswirtschaft, wachsen. Wir müssen innovativ sein und beschleunigen, wenn wir unseren Platz in der Welt oder unsere Strukturen halten wollen. Denn ohne Wachstum schließen Unternehmen und wir verlieren Arbeitsplätze. Dann sinkt das Staatseinkommen, wir können das Bildungssystem und das Gesundheitssystem nicht erhalten. Das liegt nicht in der Natur der Welt, sondern in der Natur moderner Gesellschaften. Und es wirkt sich auch auf Individuen aus: Wir haben im Grunde das Gefühl, dass wir jedes Jahr ein bisschen schneller laufen müssen, um unseren Platz zu halten. 

Eine moderne Gesellschaft kann sich nur durch Steigerung erhalten.

Hartmut Rosa über Zeitdiagnose und Moderne Analyse sowie Zeitsoziologie und Beschleunigungstheorie. Foto: Friedrich-Schiller-Universität/Günther

Das klingt geradezu deprimierend. Kann man etwas dagegen tun?

Auf der individuellen Ebene ja – ich nenne das Coping-Strategien. Zum Vergleich: Wenn man eine Krankheit hat, ist diese struktureller Natur. Das kann man nicht durch mehr Gelassenheit lösen, aber man kann lernen, damit umzugehen. Wenn ich Diabetes habe, kann ich es nicht heilen, aber ich kann Strategien entwickeln, wie ich im Alltag damit lebe. Es gibt verschiedene Wege: Zum Beispiel ist es wirklich wichtig, Zeiträume zu schaffen, in denen man sich von dem entlastet, was Soziologen ‚habituell’ nennen – von dem habituellen Druck. Die meiste Zeit über hat man ja das Gefühl, man müsse dies und jenes machen und selbst wenn sich eine kleine Pause ergibt, zücken wir sofort das Smartphone, weil wir dort nochmal etwas nachschauen müssen, diese Nachricht beantworten oder jenem schreiben. Dadurch haben wir ein Lebensgefühl des ständig Andrängenden, das wir irgendwie abwehren müssen. Was Menschen dann machen: Sie versuchen sich kleine und große Zeiträume zu schaffen, in denen dieses Gefühl, doch noch ganz viel machen zu müssen, einfach stillgelegt ist. 

Sich bewusst Zeit nehmen

Sie gehen zum Yogastudio oder meditieren.

Ganz genau, im Kleinen geht das, indem man zum Beispiel abends zehn Minuten Yoga macht oder meditiert oder Achtsamkeit trainiert. Sich auf ein Kissen setzt und das Gefühl hat: In den zehn Minuten passiert jetzt mal nichts. Wenn man das einübt, kann man sich für diese kurze Zeitspanne wirklich von dem Gefühl entlasten. Übrigens hilft es auch schon, ins Kino zu gehen. Denn in dem Moment, wenn das Saallicht erlischt, kann man nichts mehr machen außer den Film zu genießen. Das ist eine Art von Zwangsentschleunigung, die manchmal als heilsam empfunden wird. Wir erleben das auch im Großen – im Urlaub zum Beispiel, wenn Leute für drei Wochen in ein Kloster gehen oder in eine einsame Berghütte einziehen. Da gibt es keinen Internetanschluss, keinen Handyempfang, keinen Fernseher und nach 17 Uhr keine Aktivitäten mehr. Das ist dann wirklich ein ganz neues Gefühl für uns und wir empfinden etwas als Luxus, das wir früher als Armut wahrgenommen hätten. Ich nenne das Weltreichweitenverkürzung und die im Moment vielleicht populärste Variante davon ist Wandern, wo man weiß: Außer gehen kann ich eigentlich nichts tun. Die Welt wird klein und dadurch erleben wir sie wieder intensiv. Mit solchen Techniken kann man sich es ein bisschen leichter machen. Ein weiterer Tipp wäre, irgendwie zu sagen: 

 Wir sollten gar nicht versuchen, uns einzureden, dass wir nichts verpassen. Wir verpassen zu jeder Sekunde Möglichkeiten, die wir nutzen könnten

Man kann sich nicht einreden, dass man schon alles im Griff hat. Die meisten Menschen haben heute nicht mehr alles im Griff. Was gar nicht schlimm ist, weil die allerwichtigsten Sachen sich schon wieder melden werden.

Gibt es noch etwas, das ich tun kann, um zu entschleunigen?
Schreiben Sie sich fürs Wochenende zum Beispiel am Samstagnachmittag einen Termin in den Kalender: ‚nichts’.  Wenn dann einer fragt: ‚Du, hast du am Samstagnachmittag Zeit?’, dann sagen sie: ‚Nein, da habe ich schon was vor.’ Das ist dann ihre Zeit, in der sie gar keine Pflichten abarbeiten. Sie wissen: Von zwei bis vier mache ich heute nichts, weil ich das machen muss. Dann erlebt man das, was man früher Muße genannt hat. Das bedeutet nicht Nichtstun, Muße ist vielmehr ein Zustand, bei dem man das Gefühl hat, das Tagwerk ist erledigt: Alles, was heute von mir verlangt wurde, was andere oder ich selbst von mir erwarten, ist getan. Denken Sie an einen Bauer in den Bergen: Der hat irgendwann die Tiere alle versorgt und die sind im Stall, es ist dunkel und er kann nicht mehr rausgehen. Dann ist das Tagwerk vollbracht. Und dann stellt sich so was wie Muße ein. Das haben wir heute eigentlich gar nicht mehr, deshalb müssen wir es künstlich herstellen.

 

Gibt es da regionale Unterschiede? In Metropolen wie Hamburg oder Köln fällt die Entschleunigung vielleicht schwerer?

Ich habe selbst angefangen, mich intensiv mit dem Thema Zeit zu beschäftigen, weil ich genau das wahrgenommen habe: Ich habe in London studiert und in Berlin promoviert und habe erlebt, dass das Lebenstempo dort ein anderes ist und damit auch das Lebensgefühl. Meine These lautet: In der Zeit zu sein korreliert damit, in der Welt zu sein. Wie ich meine Zeit verbringe hängt damit zusammen, wie ich mein Leben lebe. Das Tempo in der Großstadt ist größer als in kleineren Städten oder gar auf dem Land. Der Philosoph und Soziologe Georg Simmel hat seine Moderne-Diagnose genau darauf aufgebaut, dass er sagt: In der Stadt ist einfach der Rhythmus schneller – er nennt es die Stimulusdichte. Weil da viel mehr gleichzeitig passiert. Ich glaube, dass das auch heute noch so ist. Im Thüringer Wald zum Beispiel haben sie das Gefühl, dass sie anders in der Zeit sind oder in der Zeit stehen. Ich glaube, das liegt an zwei Dingen. Zum einen versteht man den Ort, an dem man ist, als eine Art von Nahsphäre. 

Ein Ort für Zeit in Jena – der Prinzessinnengarten. Foto: Friedrich-Schiller-Universität/Günther

Und wenn die groß ist, ist sie schwer überschaubar?
Ja, in Hamburg, Berlin oder Frankfurt hat man allein durch die vielen Möglichkeiten sich mit öffentlichen Verkehrsmitteln fortzubewegen das Gefühl, dass der eigene Raum relativ groß ist. Um diesen Raum unter Kontrolle zu halten oder um die Dinge, die dort sind, wahrzunehmen, muss man automatisch weitere Strecken zurücklegen und deshalb das Tempo erhöhen. In Berlin braucht man von Mitte bis nach Dahlem vielleicht eine halbe Stunde – länger brauchen Sie in Thüringen auch nicht von Jena nach Erfurt. Trotzdem ist es ein anderes Gefühl. Denn wenn jemand aus Mitte nach Dahlem gefahren ist, hat er immer noch das Gefühl, dass Mitte noch sein Ort ist und mit dazugehört. Jena und Erfurt nimmt man stärker als zwei verschiedene Städte wahr. Man gelangt leicht von der einen zur anderen, aber was in Erfurt passiert ist mir in der Regel in Jena nicht so unmittelbar physisch präsent. Deshalb würde ich sagen, man hat in kleineren Städten eine kürzere Weltreichweite. Museen, die Oper, Shoppingcenter und Kinopaläste sind in unmittelbarer Reichweite. Und das hat einen ganz positiven Effekt: Die Verkürzung von Weltreichweite sorgt automatisch dafür, dass ich zeitreicher werde. Es gibt eigentlich eine ganz einfache Korrelation: Man könnte sagen, je weltreicher ich bin, umso knapper wird meine Zeit. Und dort, wo die Möglichkeiten erreichbar, aber nicht so unmittelbar erdrückend sind, dort bin ich zeitreicher.

 

Sie setzen sich selbst sehr stark theoretisch mit dem Thema Zeit auseinander. Hilft Ihnen das, um ein besseres Gefühl dafür zu entwickeln? Oder entfremdet es sie gar davon?

Also tatsächlich sagen die Leute häufig zu mir: ‚Herr Rosa, Sie beschäftigen sich so lange mit der Zeit, Sie haben ja bestimmt kein Beschleunigungsproblem mehr.’ Aber das ist ganz bestimmt nicht so. Vielmehr ist das Gegenteil der Fall. Gerade weil ich an Zeitknappheit leide und mich gehetzt fühle, studiere ich dieses Thema. Es ändert schon ein bisschen den Blick darauf und es ändert die Perspektive auf Zeit und auf Leben. Und natürlich hat das dann auch Konsequenzen für die Art und Weise, wie man lebt, aber um es nochmal zu sagen: Meiner Ansicht nach sind die Zeitprobleme, die wir heute haben, wirklich gesellschaftsstrukturelle Probleme. Und die kann man nicht als Einzelner und auch nicht durch eine gute Theorie lösen.

Sie müssen nur die richtige innere Achtsamkeit oder Gelassenheit gegenüber der Welt entwickeln. 

Wie kriege ich denn aber nun mein Zeitproblem ganz konkret in den Griff?

Im Prinzip gibt es ja immer zwei Ideen: Das Eine sind Zeitmanagement-Techniken, zu denen immer noch neue Bücher veröffentlicht werden. Ich habe genau aus Protest dagegen begonnen, mich mit der Zeit zu beschäftigen. Denn diese Bücher sagen ja: Sie müssen eine klare Einteilung machen, was ihnen wirklich wichtig ist und was dringend ist und so weiter. Dann machen sie eine Prioritätenliste und dann ist das alles kein Problem mehr. Aber das klappt aus vielen Gründen nicht. Erstens verschieben sich Prioritäten ständig. Zweitens ist es sehr schwer zu sagen, für wen etwas prioritär ist: Was für meine Lebenspartnerin oder meine Familie wichtig ist, muss es für mich selbst nicht sein. Wo steht es dann auf meiner Prioritätenliste? Die Dinge verschieben sich auch ständig, sind dynamisch. Also mit Zeitmanagementtechniken können Sie das Problem nicht lösen. Die Alternative ist dann mehr Gelassenheit: Sie müssen nur die richtige innere Achtsamkeit oder Gelassenheit gegenüber der Welt entwickeln. 

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